Betrieb einer Biogasanlage mit zusätzlichem Klärgas: Qualifikation als Hybridanlage und Neuberechnung des Vergütungssatzes nach Art. 16 Abs. 2 EnFV erforderlich
- BGE / ATF / DTF
- BGE 150 II 334 · ATF 150 II 334 · DTF 150 II 334
- Datum
- 22.03.2024
- Geschäftsnummer
- 2C_174/2023
- Abteilung
- II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Art. 95 BGG Art. 107 BGG Art. 1 EnFV Art. 2 EnFV Art. 11 EnFV Art. 16 EnFV Art. 19 EnG Art. 22 EnG Art. 35 EnG Art. 72 EnG
Zusammenfassung
Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) erhob Beschwerde gegen ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das einen Synergieabzug von 15 % für eine Biogasanlage der A.________ AG abgelehnt hatte, die künftig zusätzlich Klärgas verstromen will. Streit war, ob die Anlage als 'Mischanlage' oder als 'Hybridanlage' zu qualifizieren ist und ob die Vergütungshöhe angepasst werden muss. Die Parteien waren sich einig, dass Klärgas kein fossiler Energieträger ist und die Förderungswürdigkeit der Anlage grundsätzlich erhalten bleibt.
Das Bundesgericht hob das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auf und verwies die Sache zur Neuberechnung des Vergütungssatzes an die Pronovo AG zurück. Es stellte fest, dass die Anlage der A.________ AG, die künftig neben landwirtschaftlichem Biogas auch Klärgas verstromt, eine Hybridanlage im Sinne von Art. 2 lit. a EnFV darstellt, da sie mehrere erneuerbare Energieträger nutzt. Klärgas ist gemäss Anhang 1.5 Ziff. 2.1.2 lit. g EnFV zwar eine nicht zugelassene Biomasse, was jedoch nicht bedeutet, dass es als fossiler Energieträger zu behandeln ist; vielmehr führt seine Nichtzulassung lediglich dazu, dass für diesen Anteil kein Vergütungssatz gewährt wird. Gemäss Art. 16 Abs. 2 EnFV ist der Vergütungssatz für Hybridanlagen nach den Vergütungssätzen der eingesetzten Energieträger, gewichtet nach deren anteilsmässigen Energieinhalten, zu berechnen. Da Klärgas nicht förderungsberechtigt ist, ist für diesen Anteil ein Vergütungssatz von Fr. 0.-- pro kWh anzusetzen. Zur Bestimmung der äquivalenten Leistungen ist gemäss Art. 16 Abs. 2 Satz 2 EnFV die gesamte Produktion massgebend, weshalb eine separate Messung der Gasströme nicht ausreicht, um den vergütungsfähigen Anteil isoliert zu bestimmen. Die Vorinstanz verletzte daher Art. 16 Abs. 2 EnFV, indem sie trotz der Qualifikation als Hybridanlage den bisher gültigen Vergütungssatz beibehielt. Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- wurden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Diese Entscheidung klärt die Anwendung der Energieförderungsverordnung bei Anlagen, die neben zugelassener Biomasse auch nicht zugelassene Biomasse wie Klärgas einsetzen, und stellt klar, dass die Hybridanlagenregelung auch dann greift, wenn ein Energieträger nicht förderungsberechtigt ist.
Regeste
Art. 19 Abs. 1 lit. e, Art. 19 Abs. 4 lit. d und Art. 72 Abs. 1 EnG; Art. 2 lit. a, Art. 16 Abs. 2 und Anhang 1.5 Ziff. 2.1.2 lit. g EnFV; Unterscheidung zwischen "Mischanlagen" und Hybridanlagen; Klärgas als nicht förderungsberechtigter erneuerbarer Energieträger; Berechnung des Vergütungssatzes für Hybridanlagen im Einspeisevergütungssystem. Streitgegenstand (E. 3). Anwendbares Recht und rechtliche Grundlagen (E. 4). Rügen des Departements (E. 5.1). Vorinstanzliche Erwägungen (E. 5.2). Vorbringen der Beschwerdegegnerin (E. 5.3). Im Gegensatz zu "Mischanlagen", die sowohl erneuerbare als auch fossile Energieträger zur Produktion von Elektrizität verwenden, nutzen Hybridanlagen mehrere erneuerbare Energieträger zur Elektrizitätsproduktion. Anlagen, die nicht förderungsberechtigte erneuerbare Energieträger, wie Klärgas, und zugleich andere, aber vergütungsberechtigte erneuerbare Energieträger zur Elektrizitätsproduktion nutzen, stellen Hybridanlagen im Sinne von Art. 2 lit. a EnFV dar (E. 5.4). Der Vergütungssatz für solche Anlagen ist unter Anwendung von Art. 16 Abs. 2 EnFV zu berechnen (E. 5.5 und 5.6). Regeste Art. 19 al. 1 let. e, art. 19 al. 4 let. d et art. 72 al. 1 LEne; Art. 2 let. a, art. 16 al. 2 et Annexe 1.5 ch. 2.1.2 let. g OEneR; distinction entre "installations mixtes" et installations hybrides; gaz d'épuration en tant qu'agent énergétique renouvelable ne donnant pas droit à un encouragement; calcul du taux de rétribution pour les installations hybrides dans le système de rétribution de l'injection. Objet du litige (consid. 3). Droit applicable et bases légales (consid. 4). Griefs du Département (consid. 5.1). Considérations de l'instance précédente (consid. 5.2). Arguments de l'intimée (consid. 5.3). Contrairement aux "installations mixtes", qui emploient tant des agents énergétiques renouvelables que fossiles pour la production d'énergie, les installations hybrides utilisent plusieurs agents énergétiques renouvelables pour produire de l'électricité. Les installations qui utilisent, pour la production d'électricité, à la fois des agents énergétiques renouvelables qui ne donnent pas droit à un encouragement, comme le gaz d'épuration, et des agents énergétiques renouvelables donnant droit à une rétribution, constituent des installations hybrides au sens de l'art. 2 let. a OEneR (consid. 5.4). Le taux de rétribution pour de telles installations doit être calculé en application de l'art. 16 al. 2 OEneR (consid. 5.5 et 5.6). Regesto Art. 19 cpv. 1 lett. e, art. 19 cpv. 4 lett. d e art. 72 cpv. 1 LEne; art. 2 lett. a, art. 16 cpv. 2 e Allegato 1.5 cifra 2.1.2 lett. g OPEn; differenza tra "impianti misti" e impianti ibridi; gas di depurazione quale fonte di energia rinnovabile che non dà luogo a una promozione; calcolo del tasso di rimunerazione per gli impianti ibridi nel sistema di rimunerazione per l'immissione di elettricità. Oggetto del litigio (consid. 3). Diritto applicabile e basi legali (consid. 4). Censure del dipartimento (consid. 5.1). Considerandi dell'istanza precedente (consid. 5.2). Argomenti della controparte (consid. 5.3). Contrariamente agli "impianti misti" che sfruttano vettori energetici sia rinnovabili che fossili per produrre dell'elettricità, gli impianti ibridi sfruttano più vettori di energia rinnovabile per la produzione di elettricità. Gli impianti che utilizzano, per produrre dell'elettricità, sia dei vettori di energia che non danno luogo a una promozione, quale il gas di depurazione, che dei vettori energetici rinnovabili che ricevono una rimunerazione sono degli impianti ibridi ai sensi dell'art. 2 lett. a OPEn (consid. 5.4). Il tasso di rimunerazione per questi impianti dev'essere calcolato in applicazione dell'art. 16 cpv. 2 OPEn (consid. 5.5 e 5.6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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