Ausländischer Online-Glücksspielanbieter mit Sitz in Malta betreibt das "xxxx Game" in der Schweiz: Keine Genehmigung, DNS-Netzsperre verhältnismässig (Art. 86 Abs. 1 BGS)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 148 II 392 · ATF 148 II 392 · DTF 148 II 392
- Datum
- 18.05.2022
- Geschäftsnummer
- 2C_336/2021
- Abteilung
- II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 86 BGG Art. 11 GSK Art. 19 GSK Art. 49 GSK Art. 73 GSK Art. 93 VGS
Zusammenfassung
Eine maltesische Gesellschaft betreibt über ihre Domain "aaaa.com" ein Online-Spiel namens "xxxx Game", das sie in der Schweiz anbietet. Die Interkantonale Geldspielaufsicht (Gespa) sperrte diese Domain mittels DNS-Sperre, weil das Angebot in der Schweiz nicht bewilligt ist. Die Gesellschaft erhob dagegen Beschwerde vor dem Interkantonalen Geldspielgericht, das die Sperrung bestätigte, jedoch für das Sportwettenangebot eine Ausnahme machte. Vor dem Bundesgericht beantragte die Gesellschaft die Aufhebung der Sperrung und die Feststellung der Verfassungswidrigkeit der Netzsperre. Streitig war insbesondere, ob das "xxxx Game" ein Geldspiel im Sinne des Geldspielgesetzes ist und ob die DNS-Sperrung verhältnismässig ist.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde der maltesischen Gesellschaft ab. Es stellte fest, dass das "xxxx Game" ein Geldspiel im Sinne von Art. 3 lit. a BGS ist, weil die Teilnehmer einen geldwerten Einsatz leisten müssen, um am Spiel teilnehmen zu können, und eine Aussicht auf einen geldwerten Gewinn besteht. Der Kauf und Verkauf virtueller Einheiten "X" erfolgt mit dem Ziel, einen Gewinn zu erzielen, und die Beschwerdeführerin beeinflusst den Kurs durch eigene Transaktionen und Regelungen. Auch der digitale Charakter des Spiels schließt dessen Einordnung als Geldspiel nicht aus. Die DNS-Sperrung der Domain "aaaa.com" wurde als verhältnismässig beurteilt: Sie ist geeignet, um den Zugang zu nicht bewilligten Online-Geldspielen zu erschweren und Spielerinnen und Spieler auf legale Angebote hinzuweisen; sie ist erforderlich, da weniger eingreifende Massnahmen nicht ebenso wirksam sind; und sie ist zumutbar, da das öffentliche Interesse am Spielerschutz und an der Bekämpfung von Geldwäscherei überwiegt und das Risiko eines Overblockings gering ist. Die Beschwerdeführerin trägt die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens, weil sie das Sperrverfahren durch ihr rechtswidriges Angebot verursacht hat. Die Entscheidung klärt die Anwendung des Geldspielgesetzes auf neuartige digitale Spieleformate und bestätigt die Rechtmässigkeit der DNS-Netzsperre als zentrales Instrument zur Durchsetzung des Schweizer Konzessionssystems für Online-Geldspiele.
Regeste
Art. 27, 29 Abs. 2, Art. 94 Abs. 4, Art. 106 und 190 BV; Art. 3 lit. a, Art. 4, 9, 21, 24 Abs. 1 und Art. 86 ff. BGS; DNS-Zugangssperre für von ausländischen Unternehmen in der Schweiz angebotene Online-Geldspiele. Gegen Entscheide des Interkantonalen Geldspielgerichts kann mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht gelangt werden (E. 1). Übersicht über die Grundregeln des Geldspielgesetzes (E. 2). In den Geltungsbereich des Geldspielgesetzes fallen grundsätzlich alle Spiele, bei denen gegen Leistung eines Einsatzes oder bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts ein Geldgewinn oder ein anderer geldwerter Vorteil in Aussicht steht; das zu prüfende Geldspiel erfüllt die entsprechenden Voraussetzungen (E. 3). Ausländische Anbieterinnen von in der Schweiz nicht bewilligten Online-Geldspielen können sich für den Marktzugang nicht auf die Wirtschaftsfreiheit und die Rechtsprechung des EuGH bzw. des EFTA-Gerichtshofs zur unionsrechtlichen Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit berufen (E. 5 und 6). Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten von Zugangssperren (E. 7). Die derzeit praktizierte "Domain-Name-System-Sperre" (DNS-Sperre) ist trotz ihrer beschränkten Wirksamkeit verhältnismässig (E. 8). Regeste Art. 27, 29 al. 2, art. 94 al. 4, art. 106 et 190 Cst.; art. 3 let. a, art. 4, 9, 21, 24 al. 1 et art. 86 ss LJAr; blocage DNS pour les jeux d'argent en ligne offerts en Suisse par des entreprises étrangères. Les décisions du Tribunal des jeux d'argent peuvent être contestées par la voie du recours en matière de droit public auprès du Tribunal fédéral (consid. 1). Présentation des règles de base de la loi sur les jeux d'argent (consid. 2). Tombent en principe dans le champ d'application de la loi sur les jeux d'argent tous les jeux qui, moyennant une mise d'argent ou la conclusion d'un acte juridique, laissent espérer un gain pécuniaire ou un autre avantage appréciable en argent; le jeu d'argent ici sous examen remplit les conditions correspondantes (consid. 3). Les entreprises étrangères qui offrent en Suisse des jeux d'argent en ligne non autorisés ne peuvent pas, pour obtenir l'accès au marché, invoquer la liberté économique et la jurisprudence de la CJUE, respectivement de la Cour de justice AELE, sur la liberté d'établissement et sur la libre prestation de services du droit de l'Union (consid. 5 et 6). Présentation des différentes possibilités de blocage de l'accès (consid. 7). Malgré son efficacité limitée, le blocage "Domain-Name-System" (blocage DNS) pratiqué actuellement est proportionnel (consid. 8). Regesto Art. 27, 29 cpv. 2, art. 94 cpv. 4, art. 106 e 190 Cost.; art. 3 lett. a, art. 4, 9, 21, 24 cpv. 1 e art. 86 segg. LGD; blocco DNS per i giochi in denaro in linea proposti in Svizzera da imprese straniere. Le decisioni del Tribunale dei giochi in denaro possono essere impugnate con un ricorso in materia di diritto pubblico dinanzi al Tribunale federale (consid. 1). Presentazione dei principi fondamentali della legge sui giochi in denaro (consid. 2). Rientrano di regola nel campo di applicazione della legge sui giochi in denaro tutti i giochi che, fatta una posta o concluso un negozio giuridico, prospettano la possibilità di una vincita in denaro o di un altro vantaggio pecuniario; il gioco in denaro in questione adempie i relativi requisiti (consid. 3). Le imprese straniere che propongono in Svizzera dei giochi in denaro in linea non autorizzati non possono, per ottenere l'accesso al mercato, invocare la libertà economica né la giurisprudenza della CGUE, rispettivamente della Corte di giustizia AELS, concernente la libertà di stabilimento e la libera prestazione dei servizi del diritto dell'Unione (consid. 5 e 6). Esposto dei differenti metodi a disposizione per bloccare l'accesso (consid. 7). Malgrado un'efficacia limitata, il blocco "Domain Name System" (blocco DNS) attualmente utilizzato è proporzionale (consid. 8).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.