Justizze.

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Justizze. Art. 49 ZGB

Bundesgericht

Mehrwertsteuerforderungen 1995-2000: Absolute Verjährung durch Analogie zum Übergangsrecht (Art. 49 Abs. 3 SchlT ZGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 144 II 273 · ATF 144 II 273 · DTF 144 II 273
Datum
16.04.2018
Geschäftsnummer
BGE 144 II 273
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 49 MWSTG Art. 40 MWSTV Art. 49 SchlT Art. 49 ZGB

Zusammenfassung

Ein im Kanton Zürich domizilierter Einzelunternehmer, der seit 1995 mehrwertsteuerpflichtig war und ab 2000 eine weitere Unternehmung für Sauna-, Solarium- und Massageangebote betrieb, focht einen Einspracheentscheid der Eidgenössischen Steuerverwaltung an. Die ESTV hatte nach einer Kontrolle im Jahr 2005 eine Nachbelastung von Fr. 53'776.- für den Zeitraum Mai 2000 bis Oktober 2004 verfügt, weil sie die Masseurinnen nicht als selbständig erachtete. Das Bundesverwaltungsgericht hatte die Steuerforderung bereits teilweise wegen Verjährung reduziert. Der Steuerpflichtige beantragte beim Bundesgericht die Aufhebung des Entscheids und die Rückweisung zur Neufestsetzung, da auch der Zeitraum vom 1. Mai 2000 bis zum 1. Januar 2001 absolut verjährt sei.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde teilweise gut und stellt fest, dass die Mehrwertsteuerforderungen aus dem Zeitraum vom 1. Mai 2000 bis zum 31. Dezember 2000 absolut verjährt sind. Die Vorinstanz hatte diese Forderungen noch als nicht verjährt beurteilt.

Die Erwägung stützt sich darauf, dass die Mehrwertsteuerverordnung von 1994 (MWSTV 1994) keine absolute Verjährung kannte, sondern nur eine relative fünfjährige Frist vorsah. Dieses Fehlen wurde als qualifiziertes Schweigen des Verordnungsgebers gewertet. Da das MWSTG 1999 keine ausdrückliche übergangsrechtliche Regelung zur Verjährung enthielt, musste das Gericht klären, ob die neue absolute Verjährungsfrist von 15 Jahren auf altrechtliche Forderungen anwendbar ist. Das Gericht qualifizierte die Verjährung als Institut des materiellen Sachrechts, weshalb die sofortige Anwendbarkeit neuer Verfahrensbestimmungen hier nicht griff.

Unter Berufung auf die Rechtsprechung zum Übergang vom alten zum neuen direkten Bundessteuerrecht (BGE 126 II 1) und unter analoger Anwendung von Art. 49 Abs. 3 SchlT ZGB entschied das Gericht, dass es stossend und mit dem Rechtsgleichheitsgebot unvereinbar wäre, wenn neuere Steuerforderungen vor älteren verjähren könnten. Daher begann die 15-jährige absolute Verjährungsfrist für die altrechtlichen Forderungen mit dem Inkrafttreten des MWSTG 1999 am 1. Januar 2001 zu laufen. Dies führte dazu, dass die absolute Verjährung für die Forderungen aus dem Jahr 2000 am 1. Januar 2016 eingetreten war. Die vier Quartale des Jahres 2002 waren ebenfalls verjährt, basierend auf Art. 49 Abs. 1 MWSTG 1999. Zu beurteilen blieben somit nur noch die Zeiträume ab 2003.

Regeste

Art. 49 Abs. 3 SchlT ZGB; Art. 40 und 41 MWSTV 1994; Art. 49 und 50 MWSTG 1999; Art. 112 MWSTG 2009; Mehrwertsteuerforderungen und Vorsteueransprüche aus den Jahren 1995-2000 sind am 1. Januar 2016 absolut verjährt. Die Mehrwertsteuerverordnung von 1994 sieht keine absolute Verjährung vor. Dies betrifft die Steuerforderungen der Eidgenossenschaft ebenso wie die Ansprüche der steuerpflichtigen Personen auf Vorsteuerabzug und beruht auf einem qualifizierten Schweigen des Verordnungsgebers. Das Mehrwertsteuergesetz von 1999 kennt zwar eine absolute Verjährung, zur Verjährung ist ihm aber keine übergangsrechtliche Regelung zu entnehmen. Wie schon beim Übergang BdBSt/DBG ( BGE 126 II 1 ) trifft auch auf den Übergang MWSTV 1994/MWSTG 1999 zu, dass es stossend und mit dem Rechtsgleichheitsgebot kaum vereinbar wäre, wenn neurechtliche Steuerforderungen und Vorsteueransprüche vor altrechtlichen verjähren könnten. Entsprechend besteht auch altrechtlich eine 15-jährige absolute Verjährungsfrist (E. 2.2). Regeste Art. 49 al. 3 Tit. fin. CC; art. 40 et 41 OTVA 1994; art. 49 et 50 LTVA 1999; art. 112 LTVA 2009; la prescription absolue des créances TVA et des créances d'impôt préalable des années 1995-2000 a été atteinte le 1 er janvier 2016. L'ordonnance sur la TVA de 1994 ne prévoit pas de prescription absolue. Cela concerne tant les créances fiscales de la Confédération que les droits des personnes assujetties à la déduction de l'impôt préalable et procède d'un silence qualifié du législateur. La loi sur la taxe sur la valeur ajoutée de 1999 prévoit certes un délai de prescription absolue, mais on ne peut en tirer aucune règle transitoire concernant la prescription. Comme lors de la transition de l'AIFD à la LIFD ( ATF 126 II 1 ), il faut aussi admettre qu'en ce qui concerne la transition de l'OTVA de 1994 à la LTVA de 1999, le fait que les créances fiscales et les créances d'impôt préalable du nouveau droit se prescrivent avant celles de l'ancien droit serait choquant et difficilement compatible avec le principe d'égalité de traitement. Par conséquent, il existe également un délai de prescription absolue de 15 ans dans l'ancien droit (consid. 2.2). Regesto Art. 49 cpv. 3 Tit. fin. CC; art. 40 e 41 OIVA 1994; art. 49 e 50 LIVA 1999; art. 112 LIVA 2009; la prescrizione assoluta dei crediti d'imposta sul valore aggiunto e dei crediti d'imposta precedente degli anni 1995-2000 è intervenuta il 1° gennaio 2016. L'ordinanza sull'IVA del 1994 non prevede una prescrizione assoluta. Ciò riguarda sia i crediti fiscali della Confederazione che i diritti dei contribuenti alla deduzione dell'imposta precedente e procede da un silenzio qualificato del legislatore. Benché la legge concernente l'imposta sul valore aggiunto del 1999 preveda un termine di prescrizione assoluta, non è possibile ricavarne una norma transitoria in materia di prescrizione. Come già per il passaggio dal DIFD alla LIFD ( DTF 126 II 1 ), anche per quello dell'OIVA del 1994 alla LIVA del 1999 risulta scioccante nonché difficilmente compatibile con il principio della parità di trattamento che i crediti fiscali e i crediti d'imposta precedente sorti sotto l'egida del nuovo diritto si prescrivano prima di quelli fondati sul diritto previgente. Di conseguenza, anche nel diritto previgente vi è un termine di prescrizione assoluta di 15 anni (consid. 2.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.