Wahlkampfkosten einer Nationalrätin sind keine Gewinnungskosten: Fehlende zeitliche Kongruenz zur Einkommenserzielung (Art. 26 Abs. 1 lit. c DBG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 142 II 293 · ATF 142 II 293 · DTF 142 II 293
- Datum
- 24.05.2016
- Geschäftsnummer
- BGE 142 II 293
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Art. 145 BV Art. 25 DBG Art. 26 DBG Art. 21 StG/VS Art. 22 StG/VS
Zusammenfassung
Eine seit 2005 amtierende Nationalrätin machte persönliche Wahlkampfkosten für die Wahlen 2011 in der Steuererklärung als Berufsauslagen bzw. Gewinnungskosten geltend. Die kantonale Steuerverwaltung lehnte den Abzug ab, während die Vorinstanz diesen bei einer Wiederwahl grundsätzlich zuließ. Die Steuerverwaltung des Kantons Wallis erhob daraufhin Beschwerde beim Bundesgericht.
Das Bundesgericht heisst die Beschwerde der Steuerverwaltung gut und verneint die Abzugsfähigkeit der persönlichen Wahlkampfkosten als Gewinnungskosten.
Entscheidend ist die fehlende zeitliche Kongruenz zwischen den Aufwendungen und der Einkommenserzielung. Die im Jahr 2011 getätigten Kosten betrafen die folgende Amtsperiode (2011–2015), nicht die damals noch laufende. Da Mitglieder des Nationalrats auf vier Jahre gewählt werden (Art. 145 BV), beziehen sich die Ausgaben auf ein künftiges, unsicheres Einkommen. Nach Art. 26 Abs. 1 lit. c DBG (bzw. Art. 22 Abs. 1 lit. c StG/VS) sind nur solche Kosten abzugsfähig, die unmittelbar mit der aktuellen Berufstätigkeit zusammenhängen. Die Unterscheidung zwischen Erst- und Wiederwahl ist irrelevant, da in beiden Fällen das Mandat erst nach dem Wahltermin wirksam wird. Die Kosten sind daher wie Stellensuchkosten zu behandeln und stellen Lebenshaltungskosten dar.
Regeste
Art. 25, 26 Abs. 1 lit. c DBG; Abzug von persönlichen Wahlkampfkosten als Gewinnungskosten. Begriff der übrigen für die Ausübung des Berufes erforderlichen Kosten nach Art. 26 Abs. 1 lit. c DBG; es ist jeweils im Rahmen einer Gesamtbeurteilung der konkreten Umstände zu prüfen, ob zwischen den geltend gemachten Aufwendungen und der Einkommenserzielung ein genügend enger Zusammenhang besteht. Aufwendungen können nur insofern als Gewinnungskosten qualifiziert werden, als sie zeitgleich mit der Einkommenserzielung anfallen (E. 3). Die im Jahr 2011 getätigten persönlichen Wahlkampfkosten, die einem amtierenden Mitglied des Nationalrates für die Wahlen vom 23. Oktober 2011 angefallen sind, betreffen die Amtsperiode 2011 bis 2015; damit muss den geltend gemachten Kosten der notwendige, unmittelbare Zusammenhang mit der aktuellen Berufstätigkeit schon aufgrund der fehlenden zeitlichen Kongruenz abgesprochen werden (E. 4). Regeste Art. 25, 26 al. 1 lit. c LIFD; déduction des frais de propagande électorale au titre de frais d'acquisition du revenu. Notion d'autres frais indispensables à l'exercice de la profession de l'art. 26 al. 1 let. c LIFD; il y a lieu de vérifier dans le cadre d'un examen d'ensemble des circonstances concrètes l'existence d'un lien suffisamment étroit entre la dépense dont la déduction est demandée et le revenu imposable. Une dépense ne peut être qualifiée de frais d'acquisition du revenu que si elle correspond dans le temps à l'acquisition du revenu (consid. 3). Les frais personnels de propagande électorale consentis en 2011 par un membre en exercice du Conseil national pour les élections du 23 octobre 2011 concernent la législature 2011 à 2015; un lien suffisamment étroit entre les frais de propagande dont la déduction est demandée et l'activité lucrative actuelle doit ainsi être nié déjà en raison du défaut de correspondance temporelle entre ces deux éléments (consid. 4). Regesto Art. 25, 26 cpv. 1 lett. c LIFD; deduzione delle proprie spese di campagna elettorale quali spese necessarie al conseguimento del reddito. Nozione di altre spese necessarie per l'esercizio della professione ai sensi dell'art. 26 cpv. 1 lett. c LIFD; occorre verificare ogni volta, in base ad una valutazione globale delle concrete circostanze, la sussistenza di un legame sufficientemente stretto tra le spese di cui si chiede la deduzione e il reddito imponibile. Possono essere considerate spese necessarie al conseguimento del reddito soltanto quelle che corrispondono nel tempo all'acquisizione del reddito (consid. 3). Le spese personali di campagna elettorale effettuate nel 2011 da un membro in carica del Consiglio nazionale per le elezioni del 23 ottobre 2011 si riferiscono alla legislatura 2011-2015; un legame sufficientemente stretto tra le spese di campagna di cui si chiede la deduzione e l'attività lucrativa attuale dev'essere negato già solo perché difetta una corrispondenza temporale tra questi due elementi (consid. 4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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