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Justizze. Art. 125 BGG

Bundesgericht

Kantonales Gericht muss Revisionsgesuch trotz hängiger Bundesgerichtsbeschwerde behandeln: Nichteintreten wegen fehlender Rechtskraft unzulässig (Art. 125 BGG)

BGE / ATF / DTF
BGE 138 II 386 · ATF 138 II 386 · DTF 138 II 386
Datum
11.07.2012
Geschäftsnummer
BGE 138 II 386
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 125 BGG

Zusammenfassung

Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kantons Bern focht eine Verfügung über seine Neueinreihung in eine höhere Gehaltsklasse an. Nach Abweisung seiner Beschwerde durch das kantonale Verwaltungsgericht erhob er beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten. Gleichzeitig beantragte er beim kantonalen Gericht die Revision des angefochtenen Entscheids. Das Verwaltungsgericht trat auf dieses Revisionsgesuch nicht ein, da der Entscheid noch nicht rechtskräftig geworden sei, weil dagegen beim Bundesgericht ein Verfahren hängig war. Der Beschwerdeführer verlangte vor Bundesgericht, dass das kantonale Gericht materiell über sein Revisionsgesuch urteilen müsse.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und verpflichtet das kantonale Verwaltungsgericht, auf das Revisionsgesuch einzutreten. Es hält fest, dass eine Vorinstanz des Bundesgerichts auf ein Revisionsgesuch nicht einzig mit der Begründung nicht eintreten darf, gegen den zu revidierenden Entscheid sei Beschwerde beim Bundesgericht erhoben worden. Diese Auslegung stützt sich auf Art. 125 BGG. Das Gericht analysiert, dass das BGG keine dem ehemaligen Art. 54 Abs. 2 OG analoge Bestimmung kennt, wonach die Rechtskraft durch hängige Berufung gehemmt wird. Die Materialien zur Totalrevision der Bundesrechtspflege zeigen jedoch, dass der Gesetzgeber den bisherigen Gehalt von Art. 54 Abs. 2 OG bereits als in Art. 125 BGG enthalten betrachtete und kein qualifiziertes Schweigen vorliegt. Würde man das Nichteintreten wegen fehlender Rechtskraft zulassen, käme Art. 125 BGG kaum je zum Zuge, da die meisten Prozessgesetze die Revision nur gegen rechtskräftige Entscheide vorsehen. Um Widersprüche zwischen der Qualifikation eines Revisionsgrunds als Novum durch die Vorinstanz und deren Beurteilung durch das Bundesgericht zu vermeiden, soll die Vorinstanz von einer eigenständigen Prüfung dieser Frage absehen. Parteien, die einen Revisionsgrund entdecken, während das bundesgerichtliche Verfahren läuft, müssen das Revisionsgesuch bei der kantonalen Instanz stellen und gleichzeitig um Sistierung des bundesgerichtlichen Verfahrens ersuchen.

Regeste

Art. 125 BGG; Verhältnis kantonaler ausserordentlicher Rechtsmittel zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten. Eine Vorinstanz des Bundesgerichts darf auf ein Revisionsgesuch nicht einzig mit der Begründung nicht eintreten, gegen den zu revidierenden Entscheid sei Beschwerde beim Bundesgericht erhoben worden (E. 6). Eine Verfahrenspartei, die vor Abschluss des bundesgerichtlichen Verfahrens einen Grund entdeckt, der ihres Erachtens die Revision des kantonalen Entscheides begründet, hat ein Revisionsgesuch bei der kantonalen Instanz zu stellen; um zu vermeiden, dass das Bundesgericht während des vorinstanzlichen Revisionsverfahrens materiell über die Beschwerde urteilt, hat die Partei um Sistierung des bundesgerichtlichen Verfahrens während der Dauer des vorinstanzlichen Revisionsverfahrens zu ersuchen (E. 7). Regeste Art. 125 LTF; relation entre les moyens extraordinaires de droit cantonal et le recours en matière de droit public. L'instance précédant le Tribunal fédéral ne peut pas refuser d'entrer en matière sur une demande de révision au seul motif qu'un recours contre le jugement dont la révision est demandée a été introduit devant le Tribunal fédéral (consid. 6). Une partie qui, avant la fin de la procédure fédérale, pense avoir découvert un motif de révision du jugement cantonal doit former une demande de révision devant l'instance cantonale; pour éviter que le Tribunal fédéral statue matériellement sur le recours pendant la procédure de révision cantonale, la partie doit présenter une demande de suspension de la procédure fédérale (consid. 7). Regesto Art. 125 LTF; relazione tra i rimedi straordinari di diritto cantonale e il ricorso in materia di diritto pubblico. Un'autorità giudiziaria di prima istanza non può rifiutare di entrare nel merito di una domanda di revisione per il solo motivo che un ricorso contro la pronuncia di cui è chiesta la revisione è stato presentato dinanzi al Tribunale federale (consid. 6). Una parte che, prima della conclusione della procedura federale, scopre un motivo che a suo parere giustifica la revisione della pronuncia cantonale deve inoltrare una domanda di revisione all'istanza cantonale; al fine di evitare che il Tribunale federale statuisca materialmente sul ricorso durante la procedura di revisione in prima istanza, la parte deve chiedere la sospensione della procedura federale per la durata di quest'ultima procedura (consid. 7).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.